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„Von der Mami bis zur Business-Frau, vom Vamp bis zum Mädchen – als Frau ist alles möglich.“

Zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin Julia Loschelder leitet Verena Schörner den unabhängigen Münchner Sachbuchverlag „Komplett-Media“. Ihre Leidenschaft für starke Themen und Autoren trägt dazu bei, dass sie vor allem Frauen mit Pioniergeist bewundert. Außerdem ist sie der Ansicht, dass wir in puncto Netzwerken noch einiges lernen können – auch, und vor allem, von Männern. Denn: „Diverse Teams schneiden am besten ab.“

www.komplett-media.de

Was unterscheidet in deinen Augen Frauen und Männer?

Mit diesen vermeintlichen Unterschieden durfte ich mich gerade ausführlich während eines spannenden Buchprojekts zum Thema „moderne Männlichkeit“ auseinandersetzen. Physisch gesehen gibt es natürlich gravierende Unterschiede, psychisch aber mehr Gemeinsamkeiten als man denkt. Darauf den Fokus zu richten kann zielführender sein als sich auf die Unterschiede zu versteifen. Eine Vielzahl von Unterschieden ist kulturell geprägt und genau dort findet glücklicherweise aktuell ein Wandel statt.

Bist du gerne eine Frau und wenn ja, warum?

Absolut, obwohl ich zumindest für einen Tag mal gerne wissen würde, wie es ist, ein Mann zu sein. Am Frausein schätze ich die vielen Facetten der Weiblichkeit. Von der Mami bis zur Businessfrau, von der Ulknudel bis zur seriösen Unternehmerin, vom Vamp bis zum Mädchen – alles ist in einer Person möglich, ohne sich dabei verstellen zu müssen. Da sehe ich auf den ersten Blick beim Mann weniger Spielraum und Nuancen.

Findest du, Frauen können erfolgreich zusammenarbeiten?

Das können sie auf jeden Fall. Meine Geschäftspartnerin und ich sind der lebende Beweis. Wir harmonieren super, ohne dass jemals der kleinste Anflug von Stutenbissigkeit aufkam.

Wieso sagt man Frauen Stutenbissigkeit nach? Ist das wahr?

Rivalität gibt es unter beiden Geschlechtern. Bei Männern schimpft sich das dann Alpha-Männchen-Gehabe. Beides nicht schön. Frauen sind vielleicht manchmal subtiler, was die Sache schwieriger greifbar macht und daher schlechter aus dem Weg zu räumen ist.

Stand dir schon mal eine Frau aus Stutenbissigkeit, Neid, Missgunst oder anderen Gründen im Weg?

Nicht direkt im Weg, aber ich habe es tatsächlich schon einmal erlebt. Da ich aber gerne, zum Leidwesen meiner Mitmenschen, alles ausdiskutiere, habe ich das Gespräch gesucht. Das war der richtige Weg, damit sich die Fronten nicht noch weiter verhärten.

Standest du schon einmal bewusst einer anderen Frau im Weg und wenn ja, warum?

Ich habe über diese Frage ehrlich eine Weile nachgedacht. Aber nein. Bewusst habe ich das nie getan, weil es meiner Grundhaltung völlig zuwiderläuft. Ich bin eine große Anhängerin von „Frauen helfen Frauen“, netzwerken, sich gegenseitig pushen und ermutigen. Das spiegelt sich auch in unserem Verlagsprogramm in dem Segment „Female Empowerment“ wider. Klar kann man nicht jeden oder jede leiden, aber deshalb muss man ja niemandem bewusst im Weg stehen.

Gibt es Dinge, die du an anderen Frauen beneidest und wenn ja, welche?

Ich bewundere Frauen mit Pioniergeist, die sich in unbekanntes Terrain vorwagen. Sei es in der Wissenschaft, in der Wirtschaft oder in der Kunst. Frauen, die die ersten auf ihrem Gebiet sind. Ich würde es aber nicht direkt Neid nennen, eher ein ehrfürchtiges Bewundern.

Findest du, Frauen sind komplizierter als Männer und wenn ja, warum?

Kompliziert ist das falsche Wort. Eher durch den weiblichen Zyklus von unseren Hormonen beeinflusst. Während eines gesamten Monatszyklus sind Hormone in unterschiedlichen Mengen beteiligt. Das kann sich auf die mentale Stimmung auswirken. Kleiner Tipp: Der Testosteronspiegel beim Mann sinkt im Laufe des Tages. Wenn Frau eine Entscheidung bei männlichen Kollegen oder Vorgesetzen durchbringen will, besser ab 16 Uhr verhandeln. 

Was bedeutet für dich Weiblichkeit?

Zur Weiblichkeit gehört für mich auch der Begriff der Sinnlichkeit. Aber nicht in erotischer Hinsicht, sondern als Gegenbegriff zur reinen Ratio und Vernunft, ohne diese beiden Punkte auszuschließen. Durch die geöffneten Sinne kann man das Schöne und Anregende dieser Welt erfahren und ebenfalls Erkenntnis erlangen.

Was müssen wir Frauen tun, um gemeinsam erfolgreicher zu sein?

Das Netzwerken ist auf jeden Fall ein wichtiger und wesentlicher Punkt. Da haben uns die Männer Jahrzehnte voraus. Man denke an den Lions Club oder Rotary – dort waren Frauen früher gar nicht zugelassen. Hier gilt es also aufzuholen, aber „in besser“ als die reinen Männerclubs früher. Das heißt, der Austausch mit männlichen Kollegen darf nicht zu kurz kommen. Schließlich geht es um Diversität. In allen Studien ist das Ergebnis eindeutig: Diverse Teams schneiden am besten ab.

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