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„Es gibt nicht DIE Weiblichkeit!“

Als Heilpraktikerin im Bereich der Cranio Sacralen Therapie für Mensch und Pferd, weiß Alma Beatrice Pohle, wie wichtig es ist, zusätzlich zur körperlichen Unterstützung vor allem die innere Heilung zu fördern. Auch in ihren Seminaren für Frauen, im Zusammensein mit einer kleinen Pferdeherde im Allgäu, geht es vor allem um einen wertschätzenden Umgang mit sich selbst, mit der Natur und den Pferden. Darin liegt Almas Erfahrung nach die größte Chance für gegenseitige Heilungsimpulse und tiefgehende Erkenntnisse. Hier liegt ihrer Meinung nach auch ein Schlüssel für Solidarität und einer tiefen Verbindung unter Frauen, denn echte Unterstützung und Wertschätzung kann nur dann entstehen, wenn jede Frau in sich selbst ruht und  sich ihrer eigenen Emotionen bewusst ist.

www.almapohle.de

www.sehnsucht-pferd.de

Bist du gerne eine Frau und wenn ja, warum?

Ja, ich bin gerne eine Frau. Früher wollte ich lieber ein Junge sein und hatte – ohne darüber nachzudenken – das Gefühl, das macht vieles leichter und es ist besser, wenn ich mich burschikos verhalte. In den letzten Jahren hat sich das gewandelt. Je mutiger ich mich mit meinem Körper und meiner Weiblichkeit beschäftige, desto mehr fühle ich mich in meinem Körper und mit mir als Frau wohl. Ich glaube, ein Frauenkörper spürt sich und seine Umwelt auf eine spezielle Art und Weise und das ist schon ein Geschenk, das ich gerne annehmen und ausleben möchte.

Findest du, Frauen können erfolgreich zusammenarbeiten?

Frauen können auf jeden Fall erfolgreich zusammenarbeiten! Wenn dem etwas im Wege steht, dann liegt das meiner Erfahrung nach in persönlichen Erlebnissen, innerer Unzufriedenheit oder Prägung durch das Umfeld und ist in jeder Frau selbst begründet. Solange damit nicht bewusst umgegangen wird, projizieren wir das auf die anderen und sehen sie dadurch in einem schlechten Bild und verhalten uns entsprechend. Meist hat das nichts mit der Realität und der Person an sich zu tun. Wenn wir in uns ruhen, uns annehmen wie wir sind, mit allen hellen und dunklen Stellen, und uns damit offen und verletzlich zeigen, dann entsteht eine unglaublich schöne, wertschätzende Art miteinander umzugehen und eine fruchtbare Zusammenarbeit.

Wieso sagt man Frauen Stutenbissigkeit nach? Ist das wahr?

Für mich passt das noch zu meiner vorherigen Antwort. Neid, Missgunst, Kratzbürstigkeit und Zickigkeiten sind natürliche Emotionen, liegen aber in uns selbst begründet. Wenn ich mit jeder Emotion bei mir bleiben, sie zulassen und offen ausdrücken kann, ohne sie auf die andere Frau zu projizieren, dann entsteht tiefes Verständnis und ein schönes Miteinander. Jede von uns hat „Kack-Tage“ und das ist vollkommen in Ordnung. Damit umzugehen und dazuzustehen ist eh Übung genug, es offen zu teilen und zuzulassen bringt nur gegenseitige Unterstützung. Es geht nicht darum immer ausgeglichen und liebevoll zu sein, es geht darum alle inneren Zustände annehmen und zulassen zu können. Dabei unterstützen wir uns großartig gegenseitig, weil wir Frauen das alle genau kennen. 😉

Findest du, Frauen sind komplizierter als Männer und wenn ja, warum?

Für mein Empfinden ist das Wort ‚kompliziert‘ im Zusammenhang mit Frauen oft negativ belegt, darum nehme ich einfach ein anderes: vielschichtig! Ja, Frauen sind wohl vielschichtiger als Männer und das ist Gabe und Herausforderung zugleich. Ich erkenne und akzeptiere das auch an mir immer mehr, dass wir Frauen vielschichtig sind und innerlich ständig im Wandel und in Bewegung!

Die Frage nach dem Warum ist eine sehr weitreichende und füllt vermutlich ein ganzes Buch. Ich nenne nur zwei Unterschiede aber es gibt selbstredend viele mehr. Beginnen wir mit der Beschaffenheit unseres physischen Körpers, so finden wir schon auf der Ebene der Haut und des Nervensystems gravierende Unterschiede zum männlichen Körper. Das macht z.B. das Thema Berührung und Wahrnehmung für uns Frauen zu einer ganz eigenen und faszinierenden Welt! Darum ist heutzutage ein offener Austausch darüber, ob mit anderen Frauen oder mit dem Partner, mehr als wichtig, um nicht in altem Irrglauben über den weiblichen Körper und seine „Funktion“ stecken zu bleiben, sondern den Reichtum des weiblichen Spürens und Genießens wieder zu leben. Dazu brauchen wir auch eine große Portion Mut und Entdeckergeist!

Als zweites erfahren wir durch die ständig wechselnden Phasen unseres Zyklus, Gedanken, Emotionen und Körperzustände in so einem natürlichen raschen Wandel, dass es manchmal atemlos macht und unsere Sicht auf unsere Umgebung ständig verändert. Uns damit wohlzufühlen, als einen essentiellen Teil des Frauseins, ist heutzutage immer mehr möglich, da die Beschäftigung mit der eigenen Weiblichkeit in vielen Frauen zu einem tiefen Bedürfnis herangewachsen ist!

Wieso trauen wir Frauen uns deiner Meinung nach oft zu wenig zu?

Aus meiner heutigen Sicht liegen diesem fehlenden Zutrauen uralte gesellschaftliche, erzieherische und religiöse Prägungen zugrunde, die uns bis heute stark und oft unbewusst beeinflussen. Ich bin zutiefst dankbar und glücklich, als Frau in der heutigen Zeit und in diesem Land zu leben. Egal wie viele Macken dieses Land hat, es gewährt mir jedoch unbestritten einen Freiraum, den ich wertschätze, um mich auch als Frau zu entfalten. Und ich habe das Glück in einem persönlichen Umfeld zu leben, das mir Entfaltungsraum schenkt und mich genauso fördert, liebt und annimmt wie ich bin. Damit habe ich eine Chance, viele von diesen alten Prägungen erkennen und ablegen zu können. Das stärkt Zutrauen und Wachstum!

Was bedeutet für dich Weiblichkeit?

Ich habe ja schon von meiner Empfindung gesprochen, dass es für mich so viele Arten von Weiblichkeit gibt, wie es Frauen gibt. Es gibt nicht DIE Weiblichkeit! Darum ist es an jeder von uns herauszufinden, was ihre Art von Weiblichkeit ist. Natürlich können wir uns auf dem Weg inspirieren lassen von anderen Frauen, aber letztendlich finden wir uns selbst weniger durch Kopieren, als durch mutiges Ausprobieren und einfach etwas tun.

Was würdest du einer heranwachsenden, jungen Frau in Bezug auf ihre Weiblichkeit raten?

Ehre deinen Körper, tue Dinge, die dir gut tun. Höre auf deinen Körper, er weiß genau was er braucht und was nicht! Das gilt für dich selbst und in der Partnerschaft. Umgib dich mit Frauen bzw. suche die Nähe zu Frauen, die sich mit ihrer Weiblichkeit schon eine Weile beschäftigen. Die auf dem Weg schon ein Stück weiter sind, ihren Körper und ihre Emotionen schon mehr annehmen können und dich von Herzen gerne unterstützen und gönnen können.

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